Gesundheitssystem 2009  
   
 

08.08.2009

 

Von Frühjahr bis Herbst werden wir als Hausärzte immer wieder nach dem Sinn einer Zeckenimpfung gefragt.

Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche, durch Zecken übertragene Krankheiten:

  1. Die eher häufige Borreliose, gegen die zurzeit noch kein Impfstoff verfügbar ist.
    Die Borrelien können zu einer spezifischen Form der Hautveränderung (Erythema migrans = „Wanderröte“), zu rheumaartigen Beschwerden (Kniegelenke!) und zu Störungen des zentralen Nervensystems (Hirnhautentzündung, Nervenlähmung) führen.

    Im Stadium der Hautrötung schützt eine antibiotische Behandlung über 14 Tage bis drei Wochen relativ zuverlässig gegen Folgeerkrankungen.

  1. Die seltene Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME).
    In den deutschen Risikogebieten (Schwarzwald, Odenwald, Bayerischer Wald) ist jede hundertste bis tausendste Zecke Träger des FSME-Virus.

    Die Erkrankung äußert sich durch Störungen des Zentralnervensystems (Lähmungen, epileptische Anfälle, Hirnhautentzündung).

    Der Biss einer infizierten Zecke bleibt in 60 bis 70 % ohne Folgen, in 20 bis 30 % fühlen sich die Patienten unwohl (grippeähnliche Symptomatik), in ca. 10 % entwickeln sich neurologische Symptome. Die resultierenden Lähmungen bilden sich in 90 bis 95 % der Fälle komplett zurück, Folgeschäden sind in 3 – 10 % zu erwarten; immerhin 1 – 2 % der FSME-Erkrankungen verlaufen tödlich.

    Oberhalb von 800 Metern ü.d.M. gibt es in der Regel keine mit FSME infizierten Zecken. Auch während eines Hotel- oder Städte-Urlaubs ist das Risiko der Erkrankung äußerst gering.

    Die FSME-Impfung schützt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor der Erkrankung und ihren Folgeerscheinungen. Ein vollständiger Impfschutz wird nach drei Impfungen erreicht. Mit einem Schnellschema wird der Schutz innerhalb von vier Wochen aufgebaut. Auffrischimpfungen sind nach drei bis fünf Jahren erforderlich.

Vorbeugende Maßnahmen:

Um Zeckenbisse zu vermeiden, sind folgende Verhaltensregeln sinnvoll:

  • Waldwege benutzen, Unterholz meiden
  • Lange Hosen und Hemden, helle Kleidung und geschlossene Schuhe tragen
  • Insektenabweisende Sprays oder Lotionen benutzen
  • Nach Waldspaziergängen den gesamten Körper nach Zecken absuchen
  • Sichtbare Zecken mit Spezialpinzetten ohne Druck heraushebeln; kein Öl, Klebstoff oder ähnliches auftragen, da die Zecken ansonsten ersticken, ihren Magensaft erbrechen und so große Mengen der Krankheitserreger übertragen können.

Nach dem Zeckenbiss in den nächsten Tagen und Wochen unbedingt auf größere Hautrötungen im Bissbereich achten und gegebenenfalls ärztliche Hilfe beanspruchen.

Für weitere Fragen steht Ihnen das Praxisteam gerne zur Verfügung.

 

 

 
 
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