26.10.2008

 

Evidenzbasierte Patienten-Information

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

insbesondere in der kalten Jahreszeit gehören Erkältungskrankheiten zu den
häufigsten Gründen, einen Arzt aufzusuchen. Mit den folgenden Ausführungen
wollen wir Ihnen wichtige Informationen zu Ursachen, Komplikationen, Behandlung
und Vorbeugung geben.

Ursachen
Ursache einer Erkältung ist fast ausschließlich eine Infektion mit Viren (2)
Die Infektion erfolgt entweder auf dem Luftweg (durch Tröpfchen beim Husten und
Niesen) oder als so genannte Schmierinfektion (überwiegend über die Hände).
An den Komplikationen einer Erkältung wie Mittelohrentzündung, Entzündung der
Nasennebenhöhlen und eitriger Mandelentzündung sind jedoch häufig auch
Bakterien beteiligt (2,3).
Bei den Komplikationen im Bereich von Mittelohr und Nasennebenhöhlen besiedeln
Bakterien die zuvor durch das Virus geschädigten und im Rahmen der Erkältung
schlecht belüfteten Schleimhäute.

SYMPTOME
Sind Viren in den Körper gelangt, so werden sie in der Regel durch unser
Immunsystem sofort abgetötet, so dass es erst gar nicht zu Symptomen kommt.
Gelingt dies nicht, dann dauert es ca. 1-3 Tage, bis die typischen Beschwerden einer
Erkältung auftreten: Halskratzen, verstopfte Nase, Schnupfen, gelegentlich Fieber
(Körpertemperatur >38 °C) und allgemeines Unwohlsei n. Nach ca. 2-3 Wochen ist
die Erkrankung in aller Regel ausgeheilt.
Als Komplikationen können selten eine Mittelohrentzündung (Otitis media), eine
Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis), eine Bronchitis oder Lungenentzündung
und eine eitrige Mandelentzündung (Angina tonsillaris) auftreten.
Bei der Mittelohrentzündung treten zusätzlich nach 4-6 Tagen Ohrenschmerzen,
Hörstörungen und Fieber auf; die Nebenhöhlenentzündung ist gekennzeichnet durch
verstopfte Nase, eitrigen Schnupfen, Kopfschmerzen und Fieber, die eitrige
Mandelentzündung durch Schluckbeschwerden, Fieber, Eiterstippchen auf den
Mandeln und Lymphknotenschwellung.

DIAGNOSE
Zur Diagnosefindung wird Ihr Arzt Sie nach folgenden Krankheitszeichen fragen:
Schnupfen, Husten, Schluckbeschwerden, Beschaffenheit des Auswurfs bzw.
Sekretes, Fieber, Schmerzen (1).
Im Anschluss daran wird eine Untersuchung stattfinden. Der Arzt wird sich den
Nasen-Rachenraum, und die Ohren ansehen sowie die Lungen abhören, die
Nasennebenhöhlen überprüfen und eventuell das Fieber messen (1).
Nur bei Verdacht auf Komplikationen sind weiterführende Untersuchungen erforderlich
wie z.B. eine Röntgenuntersuchung der Lungen oder Laboruntersuchungen (1).

VORBEUGUNG
Zur Vorbeugung von Komplikationen einer Erkältung dient für alte und
immungeschwächte Menschen die Grippe-Impfung, für kleine Kinder die so genannte
HIB-Impfung.
Durch eine Pneumokokken-Impfung kann allenfalls der Schweregrad, nicht aber
Häufigkeit und auch nicht Sterblichkeit an einer außerhalb des Krankenhauses
erworbenen Lungenentzündung vermindert werden (1). Wir empfehlen sie darum nur
einem bestimmten Personenkreis.
Durch eine allgemeine Grippeimpfung kann zwar die Zahl an Grippe-Erkrankungen
verringert werden (1). Eine Senkung der Sterblichkeit durch diese Impfung ist aber
nur bei wirklich gefährdeten Patienten (z.B. Bewohnern von Altenheimen oder
Menschen mit besonderer Infektanfälligkeit) zu erwarten. Altenheimbewohner
werden auch dadurch geschützt, dass die sie pflegenden Personen geimpft werden.
Für die vorbeugende Einnahme von Echinacea-Präparaten über 8-12 Wochen
konnte kein eindeutiger Effekt auf die Verhinderung einer Erkältung nachgewiesen
werden (2).
Ebenso wirkungslos war die Einnahme von Vitamin E über 1 Jahr (1).
Regelmäßige körperliche Aktivität mittlerer Intensität (z.B. Laufen oder Walken
mehrmals pro Woche) ist jedoch geeignet, die Häufigkeit von Erkältungen zu
verringern.
Wir empfehlen zur Vorbeugung von Erkältungskrankheiten die folgenden
Maßnahmen:

Regelmäßige Bewegung im Freien.
Saunagänge im Niedrigtemperaturbereich (60-80 °C) m it anschließendem Kaltguss
(wenn dem nicht gesundheitliche Gründe entgegen stehen), Kaltgüsse von Armen
und Beinen nach dem morgendlichen Warmduschen in der Reihenfolge rechtes Bein
> linkes Bein > rechter Arm > linker Arm oder Kneipp`sche Wechselgüsse.

THERAPIE
Wie schon eingangs beschrieben, wird eine Erkältungskrankheit in der Regel durch
Viren verursacht. Somit gibt es keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit (1). Das
ist aber kein Problem - fast alle Infekte heilen problemlos aus. Außerdem können die
meisten Krankheitsbeschwerden gelindert werden.
In der von uns gesichteten wissenschaftlichen Literatur findet sich kein Beleg für den
Nutzen einer vermehrten Flüssigkeitsaufnahme (2). Dennoch empfehlen wir bei
Erkältungskrankheiten grundsätzlich die Aufnahme von ca. 2 Litern Warmgetränken
(Tees oder heiße Brühe).

Für die Wirkung von Dampfinhalationen besteht ebenfalls kein sicherer Nutzenbeleg
(2), auch wenn die Beschwerden bei einigen Patienten hierdurch gelindert werden
können.
Die Einnahme von Vitamin C zeigt nach Ausbruch der Erkältung keinerlei Wirkungen
(3).

Abschwellende Nasentropfen beseitigen kurzzeitig die Verstopfung der Nase. Die
häufigste Nebenwirkung ist Schlaflosigkeit.

Nasenduschen mit einer isotonen Kochsalzlösung (1 Teelöffel Kochsalz auf 1 Liter
abgekochtes Wasser) können Beschwerden wie eine verstopfte Nase und
Nasenfluss bei akuter Erkältung lindern.

Fieber kann durch Wadenwickel gesenkt werden.
Paracetamol (3x 500 mg/Tag) vermindert die Symptome einer Halsentzündung (3)
sowie Kopf- und Gliederschmerzen.

Zubereitungen des Echinacea-purpurea-Krautes können bei Erwachsenen die Dauer
einer Erkältung um 1-2 Tage verkürzen und die Symptome mildern. Die Untersuchungsergebnisse sind allerdings nicht ganz eindeutig. Für andere Zubereitungen (wie z.B. Trockenextrakte) oder die Wirkung bei Kindern besteht kein Nutzenbeleg
(2).

Für die Wirksamkeit chinesischer Heilkräuter fand sich kein sicherer Nachweis (2). In
diesem Zusammenhang weisen die Autoren darauf hin, dass die Inhalation ätherischer
Öle mit dem Risiko der so genannten öligen Pneumonie behaftet ist und somit
nicht empfohlen wird.
Gurgeln mit isotoner Salzlösung, Kamillentee oder Salbeitee kann bei akuter Halsentzündung die Beschwerden lindern. Gleiches gilt für das Lutschen von Salbeibonbons oder Isländisch-Moos-Pastillen.
Es besteht in der Regel keinerlei Nutzen einer Therapie mit Antibiotika, die Nebenwirkungen (Durchfall, Antibiotikaresistenz) einer solchen Therapie sind jedoch häufig
(2)!

Antibiotika können nützlich sein bei:
Schwerer eitriger Mandelentzündung, die zu einem Abszess auszuwachsen droht
(1),
Lungenentzündung (1) und
bei einer stark eitrigen Nasennebenhöhlenentzündung (3).

Literatur /Quellen
Für diese Patienteninformation wurde in folgende Datenbanken recherchiert (die
Zahlen in Klammern beziehen sich auf die Hinweise im Text):
(1) Horten-Zentrum für praxisorientierte Forschung und Wissenstransfer
(www.evimed.ch)
(2) Cochrane Collaboration (www.interscience.wiley.com)
(3) Kompendium evidenzbasierte Medizin (Verlag hans Huber, 2007)
(4) Patienten-Ratgeber der entsprechenden DEGAM-Leitlinien

 

 
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