Nutzen und Risiken des PSA- Screenings

Das Prostata-Carcinom ist die dritthäufigste Krebstodesursache bei Männern. Der PSA-Test ist ein Bluttest auf eine Substanz (prostataspezifisches Antigen), die von solchen Tumoren vermehrt produziert wird. Die PSA-Bestimmung ermöglicht es, den Prostatakrebs früher als jede andere Untersuchungsmaßnahme zu entdecken. Allerdings ist noch unklar, ob dadurch tatsächlich in wesentlichem Umfang Prostatakrebs-Todesfälle vermieden werden. Obwohl der Test völlig ungefährlich ist, können die bei erhöhtem Wert folgenden Untersuchungen oder Befunde durchaus auch problematische Folgen haben. Bevor Sie sich also für oder gegen den Test entscheiden, bewerten Sie die derzeit bekannten Zahlen, Daten und Fakten selbst:

Wenn man 10.000 beschwerdefreie Männer im Alter von 50 – 75 Jahren testet, erhält man bei 8.463 Probanden ein unauffälliges Testergebnis (PSA unter 4, also „negativ“). Von diesen haben tatsächlich 7.284 keinen Prostatakrebs, 1.179 sind von der Krankheit betroffen, ohne dass die Laboruntersuchung dies erkennen lässt („falsch negativ“).

1.537 haben ein auffälliges Testergebnis (PSA > 4, also „positiv“). Es ist derzeit noch umstritten, ob man sofort anschließend Probeentnahmen durch den Darm (Prostatabiopsie, dabei Risiko von Infektionen und Blutungen) durchführt oder nach sechs Monaten erneut testet und dann entscheidet. Bei einer Biopsie findet man dabei in 1216 Fällen keinen Krebs, bei 321 Männern werden Prostatakrebszellen nachgewiesen. Betrachtet man diese 321 Männer, bei denen der PSA-Test zu einer Früherkennung der Krebserkrankung geführt hat, so ergeben sich im Weiteren folgende Zahlen: Bei 181 Männern handelt es sich um ruhende Krebszellen, für sie ist die Behandlung mit Operation und Bestrahlung eigentlich unnötig. Bei 59 Patienten schreitet die Krebserkrankung trotz Früherkennung und Behandlung fort und sie sterben an der Erkrankung. 79 Patienten (von 10.000 getesteten!) verdanken wahrscheinlich der Früherkennung ihr Leben. Sie werden geheilt. Die einzige sichere Möglichkeit, Prostatakrebs dauerhaft zu heilen, ist die radikale Entfernung der Drüse. Aber auch mit diesem Verfahren lässt sich die Sterblichkeit nur um 35 – 50 % senken. Die Heilungschancen sind dabei natürlich abhängig vom jeweiligen Erkrankungsstadium.

Wenn man alle 321 Patienten mit nachgewiesenen Krebszellen radikal operiert, werden folgende Nebenwirkungen dieser Behandlung eintreten: 97 Patienten haben keine Probleme, 44 werden inkontinent (unwillkürlicher Harnabgang), 30 impotent und 148 Männer werden sowohl inkontinent als auch impotent. Die 79 geretteten Leben stehen also 224 Patienten mit Beeinträchtigungen durch die Behandlung gegenüber.

Bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Prostatakrebs (z.B. bei familiärer Belastung), auf Krebserkrankung hinweisenden Beschwerden oder tastbaren Veränderungen sehen die zahlen allerdings anders aus. Also: Wir beraten Sie gerne; die Entscheidung für oder gegen den Test treffen Sie aber letztendlich immer selbst!

 
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