Das Ommersheimer Modell

Die Wortschöpfung „Das Ommersheimer Modell“ stammt von dem Wiesbadener Rechtsanwalt H.J. Schade, der das strategische Konzept für die Entwicklung dieser „Musterpraxis“ lieferte.

Im Jahre 1982 ließ sich Herr Dr. med. Wolfgang Kölling, als Arzt für Allgemeinmedizin in Mandelbachtal-Ommersheim, einer 2.400 Seelengemeinde, nieder. Nach einer etwa 5jährigen Wachstums-Phase war der erste sogenannte „Break even-point“ erreicht. Durch zeitliche Überlastung kam es auf der einen Seite zur persönlichen Überforderung auf der anderen Seite aber auch zu betriebswirtschaftlich ungünstigen Entwicklungen. Hochwertige Beratungs- und Untersuchungsleistungen konnten nicht mehr in ausreichendem Maße angeboten werden, die Personalkosten stiegen jedoch ständig.

Folgerichtig kam es im Jahr 1990 zu der Gründung einer Gemeinschaftspraxis mit Frau Dr. Marie-Bernadette Walle, deren Ausbildungsschwerpunkte in den Bereichen Naturheilkunde, Homöopathie und Pädiatrie lagen.

Wie von Herrn Schade prognostiziert, folgte eine erneute Wachstumsphase durch die Ausweitung des Leistungsspektrums und eine zweite „starke Persönlichkeit“ mit entsprechender Patientenbindung.

So kam es erwartungsgemäß zu einem zweiten „Break even-point“, der zur Konzeption eines „ärztlichen Unterbaus“ führte. In einem Team mit zwei neuen Kolleginnen, die nach dem Juniorpartner-Modell ohne Kapitalbeteiligung in die Gemeinschaftspraxis einstiegen, konnte die kassenärztliche Tätigkeit nunmehr auf mehrere Schultern verteilt werden. Um die Sprechstundenzeiten entsprechend auszuweiten, wurde bei begrenzten Räumlichkeiten ein Schichtdienst-System installiert, wodurch die Praxis durchgehend von morgens 07.00 Uhr bis abends 21.00 Uhr offengehalten werden konnte.

Diese Entlastungsphase führte zu einer Ausweitung von präventiven Leistungen und Schulungsangeboten außerhalb der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung.

Zum 01.10.1993 („Seehofer-Stichtag“) gründete die Gemeinschaftspraxis eine Praxisgemeinschaft mit Herrn Dr. med. Hardy Walle, der als Internist eine weitere Schwerpunkt-Ausweitung (Pneumologie, Allergologie, kardiologische und gastroenterologische Leistungen) einbrachte.

In einer folgenden zweiten Entlastungsphase konnte die Seminartätigkeit im Bereich Gesundheitsaufklärung weiter ausgedehnt werden, das Ärzteteam bildete sich sektoriell gezielt fort, um auch in den Bereich Ernährung, Umweltmedizin, Stressbewältigung und ganzheitliche Gesundheitsfürsorge hochwertige Dienstleistungen anbieten können.

Ab dem 01.12.1994 wurde dem Ehepaar Dres. Walle und Herrn Dr. med. Kölling die Gelegenheit geboten, als beratende Experten im Institut BODYMED ihre Kenntnisse bezüglich Gesundheit, Sport und Lebensfreude einzubringen und weiterzugeben.

In der Entwicklung des Leistungsspektrums bis hin zur Beratertätigkeit im Bereich Gesundheit spielte die Check-up-Untersuchung eine wesentliche Rolle. Sie dient als Einstieg in das „Erlebnis Gesundheit“ und öffnet die Praxis auch einer Klientel, die noch nicht als „Patient“ zu definieren ist. Wenn inzwischen 30 Milliarden DM für Gesundheit ausgegeben werden, so sollte dieser Markt nicht an den Beratern und Dienstleistungs-Erbringern vorbeigehen, die hierfür eigentlich die höchste Kompetenz besitzen. Das „System Check-up“ bedarf dabei einer positiven Einstellung. Über ein individuelles Risikoprofil kann ein persönliches Therapieangebot aus der eigenen Praxis unterbreitet werden. Hierdurch wird die Beratungskompetenz des Praxisführers in den Fragen der Lebensgestaltung dokumentiert.

Voraussetzungen für ein Gelingen einer solchen Primärprävention ist die aktive Ansprache der Bevölkerung und die professionelle Gestaltung eines harmonischen Organisationsablaufs. Der Check-up sollte sich also von der kurativen Medizin positiv absetzen und als Einzelangebot in ein System von Dienst-leistungen eingebettet werden.

Wenn der Patient durch die Beteiligung an der Gesundheitsvorsorge-Untersuchung ein spezifisches Gesundheitsbewusstsein dokumentiert, sollte das Praxisteam ihm in der Folge dann auch behilflich sein, im Interesse einer höheren Lebensqualität Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten.

Das Leistungsspektrum kann hierbei von der Akupunktur über Sauerstoff-Therapien und spezifische Fitness-Programme bis zur komplexen Ernäh-rungsberatung, Stressbewältigung und Raucherentwöhnung führen. Sehr erfolg-reich ist ein Kursus „Gesunder Rücken“, in dem Aspekte der traditionell chinesischen Medizin, der Schmerzbewältigungsstrategie und der Krankengymnastik zum Tragen kommen.

Voraussetzung für die Entwicklung hin zum „Wellness-Zentrum Arztpraxis“ ist die positive Einstellung des Ärzteteams zu präventiven Leistungen und die - keinesfalls kritiklose - Öffnung für komplementäre Therapieverfahren aus dem Bereich Naturheilkunde und „Ganzheitsmedizin“. Wie sagte schon Friedrich der Große: „Das Vornehmste ist es, neue Erkenntnisse zu gewinnen, das Zweite danach alte Vorurteile über Bord zu werfen.“


Die Überzeugung von der Sinnhaftigkeit von Gesundheits-Dienstleistungen führt zu einer offensiven Kreativität, die Rechtfertigungen gegenüber vorwiegend emotional begründeter Kritik überflüssig macht.

 

Schon Goethe meinte:

„Eines schickt sich nicht für alle;
sehe jeder, wie er`s treibe;
sehe jeder, wo er bleibe
und wer steht, dass er nicht falle!“

 

 
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